Wer eine Mittelmeer-Kreuzfahrt mit griechischen Häfen plant, muss sich auf eine spürbare Zusatzausgabe einstellen: Seit dem 21. Juli 2025 erhebt Griechenland eine verpflichtende Landgangsgebühr für alle Kreuzfahrtpassagiere, die in einem griechischen Hafen von Bord gehen. Die Gebühr betrifft sämtliche Reedereien – von AIDA über MSC bis TUI Cruises – und kann je nach Insel und Reisezeit ordentlich ins Geld gehen. Inzwischen zeigen sich auch erste Auswirkungen auf Routen und Passagierzahlen. Hier erfahrt ihr alles, was ihr für die Saison 2026 wissen müsst.

Warum erhebt Griechenland die Gebühr für Landgänge?
Der Hintergrund ist kein Geheimnis: Griechenland ächzt unter dem Kreuzfahrt-Boom. Im Jahr 2024 wurden laut dem internationalen Kreuzfahrtverband CLIA rund 5.490 Schiffsanläufe gezählt – fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders auf Santorini und Mykonos ist die Lage seit Jahren angespannt: Santorini verzeichnete 2024 rund 750 Schiffsanläufe mit 1,34 Millionen Passagieren, Mykonos kam auf 768 Anläufe und 1,29 Millionen Gäste. In der Hochsaison lagen teilweise bis zu sieben Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig vor Anker.
Das Problem dabei: Die Tausenden Tagesgäste belasten Straßen, Infrastruktur und Umwelt erheblich, geben vor Ort aber vergleichsweise wenig Geld aus. Viele essen und trinken an Bord, Ausflüge werden über die Reedereien gebucht. Die Gemeinden tragen die Kosten für Müllentsorgung, Sicherheit und Instandhaltung, profitieren aber kaum. Im Sommer 2024 sorgte ein Vorfall für internationale Schlagzeilen: Ein Gemeinderat auf Santorini rief die Einwohner per Facebook-Post auf, angesichts von 17.000 erwarteten Kreuzfahrt-Passagieren ihre Bewegungen einzuschränken und möglichst zu Hause zu bleiben – der Post wurde zwar wenig später wieder gelöscht, machte aber die Dimension des Problems weltweit sichtbar.
Die neue Gebühr ist Teil eines umfassenderen Nachhaltigkeitsprogramms der griechischen Regierung, gesetzlich verankert durch das Gesetz 5162/2024. Die Einnahmen, Schätzungen gehen von rund 50 Millionen Euro jährlich aus – sollen direkt in die lokale Infrastruktur fließen: Hafenerweiterungen, Landstromanschlüsse, Abwasseranlagen und Umweltschutzprojekte. Gleichzeitig hofft die Regierung, dass die höheren Kosten auf Santorini und Mykonos einige Reedereien dazu bewegen, alternative Ziele anzusteuern und so die Hotspots zu entlasten.
Was kostet der Landgang? Die Gebühren im Überblick
Die Gebühr ist nach Saison und Zielhafen gestaffelt. Auf den besonders überlaufenen Inseln Santorini und Mykonos zahlt ihr deutlich mehr als an anderen griechischen Häfen.
- Hochsaison (Juni bis September): Santorini und Mykonos kosten 20 Euro pro Person und Landgang. Alle anderen griechischen Häfen schlagen mit 5 Euro zu Buche.
- Vor- und Nachsaison (April/Mai und Oktober): Auf Santorini und Mykonos werden 12 Euro fällig, an den übrigen Häfen 3 Euro.
- Wintermonate (November bis März): Selbst im Winter wird kassiert – 4 Euro auf Santorini und Mykonos, 1 Euro an allen anderen Häfen.
Wichtig: Die Gebühr fällt pro Person und pro Hafenanlauf an. Wer auf einer einwöchigen Ägäis-Kreuzfahrt drei griechische Häfen besucht, zahlt also dreimal. Für eine vierköpfige Familie können bei einer Sommer-Route über Santorini, Mykonos und einen weiteren Hafen schnell 180 Euro zusammenkommen – denn Kinder sind nicht ausgenommen. Die Rechnung: 4 Personen × (20 € + 20 € + 5 €) = 180 €.

Wie wird die Gebühr eingezogen?
Die Reedereien handhaben die Abrechnung unterschiedlich – und für die Saison 2026 hat sich bei einigen Anbietern gegenüber dem Vorjahr einiges geändert. Das Grundprinzip bleibt aber bei allen gleich: Wer an Land geht, zahlt. Wer an Bord bleibt, zahlt nichts.
MSC Cruises belastet das Bordkonto jeweils am Vorabend eines griechischen Hafenanlaufs automatisch mit der Gebühr. Beim Verlassen des Schiffs wird die Cruise Card gescannt – das gilt als Nachweis für den Landgang. Entscheidet ihr euch spontan, an Bord zu bleiben, wird der Betrag gutgeschrieben. Die Gebühr erscheint auf der finalen Bordrechnung mit genauer Auflistung von Hafen und Zeitpunkt.
Costa Cruises verfährt ähnlich und belastet die Gebühr vor Ende der Kreuzfahrt auf dem Bordkonto. Auch hier spielt es keine Rolle, ob ihr einen organisierten Ausflug oder einen individuellen Landgang unternehmt – die Gebühr kommt immer obendrauf und ist nicht im Ausflugspreis enthalten.
TUI Cruises bleibt auch 2026 großzügig: Die Reederei übernimmt die Gebühren weiterhin vollständig und gibt sie nicht an die Gäste weiter. Wer an Land geht, bekommt den Betrag zwar auf der Bordabrechnung ausgewiesen, aber TUI wickelt die Zahlung an die griechischen Behörden im Hintergrund ab.
AIDA Cruises – hier gibt es eine wichtige Änderung gegenüber 2025: Während AIDA in der ersten Saison die Gebühren noch im Reisepreis inkludiert hatte, wird die Landgangsgebühr für Reisen 2026 dem Bordkonto belastet. Gäste, die an Bord bleiben, sind von der Gebühr ausgenommen. Es lohnt sich also, bei der Buchung genau hinzuschauen – denn diese Änderung kann bei mehreren griechischen Häfen spürbar ins Gewicht fallen.
Royal Caribbean differenziert nach Buchungszeitpunkt: Bei Buchungen seit dem 20. September 2024 ist die Gebühr bereits im Reisepreis inbegriffen. Gäste mit älteren Buchungen müssen die Kosten über das Bordkonto selbst tragen. Falls kein Landgang erfolgt, wird der Betrag unabhängig vom Buchungszeitpunkt gutgeschrieben.
Celestyal Cruises belastet die Bordkonten der Gäste mit der Gebühr. Wer in einem Hafen nicht an Land geht, bekommt den Betrag nachträglich wieder gutgeschrieben.

Häufige Fragen – und was ihr beachten solltet
Einige Punkte sorgen immer wieder für Verunsicherung. Hier die wichtigsten Antworten:
Die Gebühr wird einmalig pro Hafenanlauf berechnet, nicht pro Tag. Selbst wenn euer Schiff über Nacht im Hafen liegt, zahlt ihr nur einmal. Und auch wenn ihr mehrmals am Tag an Land geht und wieder zurückkommt, bleibt es bei einer Gebühr.
Eine Altersgrenze oder Ermäßigungen gibt es nicht, die Gebühr gilt ausnahmslos für alle Passagiere, auch für Kinder und Kleinkinder.
Die Gebühr fällt auch bei der Ausschiffung an. Wer seine Kreuzfahrt in einem griechischen Hafen beendet, wird ebenfalls zur Kasse gebeten. Und ja, auch wenn ihr danach noch in einem Hotel übernachtet und dort die reguläre Tourismusabgabe zahlt – die Kreuzfahrtgebühr kommt zusätzlich dazu.
Wird ein griechischer Hafen aus dem Programm gestrichen oder wetterbedingt nicht angelaufen, entfällt die Gebühr selbstverständlich.
Wie reagieren die Reedereien und was zeigt sich 2026?
Die Kreuzfahrtbranche nimmt die Regelung weiterhin mit gemischten Gefühlen auf. Der internationale Kreuzfahrtverband CLIA äußerte die Sorge, dass zusätzliche Gebühren die Attraktivität griechischer Ziele schmälern könnten. Und tatsächlich zeigen sich 2026 erste konkrete Auswirkungen:
Santorini verzeichnet einen spürbaren Rückgang. Laut dem Präsidenten des Hafenfonds Thira, Giorgos Nomikos, sind für 2026 nur noch 595 Schiffsanläufe geplant – ein Minus von über 18 Prozent gegenüber den 728 Anläufen in 2025. Auch die Passagierzahlen sinken um rund 15 Prozent. Ein wesentlicher Grund: MSC Cruises hatte sich nach Einführung der Gebühr zunächst komplett von Santorini zurückgezogen, was allein rund 137.000 fehlende Passagiere bedeutete. Mittlerweile ist MSC allerdings mit 17 geplanten Anläufen für etwa 70.000 Passagiere zurückgekehrt. Zusätzlich fielen 17 Anläufe wegen des Nahostkonflikts aus, was weitere 19.000 Passagiere kostete.
Mykonos bleibt dagegen stabil. Die Insel erwartet 2026 rund 763 Schiffsanläufe mit etwa 1,22 Millionen Passagieren – nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Allerdings kritisiert der Präsident des Hafenfonds Mykonos, Athanasios Kousathanas-Megas, die Preisgestaltung: Einige Reedereien hätten Mykonos zugunsten günstigerer Häfen wie Chania (nur 5 Euro statt 20 Euro) aus ihren Routen gestrichen. Er fordert die Regierung auf, über einen einheitlichen Gebührensatz für alle Häfen nachzudenken.
Gleichzeitig betonen Reedereien wie MSC Cruises ausdrücklich, dass sie keinen Einfluss auf die Höhe der Gebühr haben und sie im Auftrag der griechischen Behörden einziehen, ohne selbst davon zu profitieren.

Was bedeutet das für eure nächste Griechenland-Kreuzfahrt?
Zunächst: Eine Griechenland-Kreuzfahrt wird durch die Gebühr teurer, aber nicht unbezahlbar. Bei einem Sommer-Landgang auf Santorini sind es 20 Euro pro Person – das ist etwa so viel wie ein ordentliches Mittagessen im Hafen von Fira. Ärgerlich ist vor allem die Kumulation über mehrere Häfen hinweg, die bei längeren Ägäis-Routen durchaus spürbar wird.
Unsere Tipps für 2026:
- Prüft vor der Buchung, wie eure Reederei mit der Gebühr umgeht. TUI Cruises übernimmt die Kosten weiterhin, bei AIDA hat sich das gegenüber 2025 geändert, hier zahlt ihr jetzt selbst. Bei Royal Caribbean hängt es vom Buchungszeitpunkt ab.
- Wählt bewusst eure Landgänge aus, nicht jeder griechische Hafen muss besucht werden und manchmal lohnt es sich, an Bord zu bleiben und den Blick auf die Küste vom Pool aus zu genießen.
- Wer flexibel ist, spart in der Nebensaison erheblich: Im April, Mai oder Oktober zahlt ihr statt 20 Euro nur 12 Euro auf Santorini – und die Inseln sind dann deutlich angenehmer zu erleben, mit weniger Gedränge und milden Temperaturen.
Die Maßnahme mag auf den ersten Blick ärgerlich wirken, aber sie hat einen nachvollziehbaren Kern: Wer ein Reiseziel genießt, sollte auch etwas zu dessen Erhalt beitragen. Dass Griechenland dabei die Kreuzfahrtbranche besonders in den Fokus nimmt, hat angesichts der Besucherzahlen seine Berechtigung. Und die ersten Zahlen von Santorini zeigen: Die Gebühr wirkt, die Hotspots werden tatsächlich etwas entlastet, auch wenn die Diskussion über eine gerechtere Verteilung zwischen den Häfen erst begonnen hat.
Quellen & Links
- MSC Cruises: Offizielle Informationsseite zur Kreuzfahrtpassagiergebühr Griechenland
- AIDA Cruises: Reiseinformationen Griechenland-Routen 2026
- TUI Cruises / go7seas: Informationen zur Gebühr für Kreuzfahrtpassagiere in griechischen Häfen
- schiffe-und-kreuzfahrten.de: „Verpflichtende Hafengebühren für Kreuzfahrtgäste in Griechenland“
- Greek Travel Pages (GTP): „Greece to Charge Cruise Passenger Fee from July 1″



