Die Wahl der optimalen Kabine und des passenden Decks hat einen entscheidenden Einfluss auf dein gesamtes Kreuzfahrterlebnis. Welche Kabine soll man gezielt buchen, welche sollte man eher meiden und welche Kategorie passt wirklich zu deinem Budget? In diesem ausführlichen Guide teilen wir unsere Erfahrungen aus über 15 Jahren auf den Weltmeeren und geben dir wichtige Tipps, damit du die für dich beste Kabine in der richtigen Lage zum besten Preis findest.

Warum die Kabinenwahl wichtiger ist, als viele denken
Bei unserer allerersten Kreuzfahrt haben wir uns kaum Gedanken über die Lage gemacht. Wir dachten: „Man ist doch eh nur zum Schlafen in der Kabine.“ Das stellte sich als Irrtum heraus. Spätestens, wenn das Schiff bei Windstärke 8 durch die Wellen stampft oder man morgens um 5 Uhr vom Stühlerücken im darüberliegenden Restaurant geweckt wird, merkt man: Die Kabinenwahl kann über Erholung oder Stress entscheiden.
Wir haben damals für eine mittelmäßige Lage auf Deck 7 viel zu viel bezahlt und zudem die Schiffsbewegungen bei Seegang unterschätzt. Damit dir das nicht passiert, haben wir diesen Ratgeber erstellt. Denke daran: Kategorie und Lage sollten bewusst gewählt werden, da ein Wechsel an Bord aufgrund der hohen Auslastung heutiger Schiffe häufig nicht mehr möglich ist.
Die Kabinen-Kategorien im Detail



Zuerst musst du die Frage der Kategorie klären. Dein Budget, deine Komfortansprüche und die Verfügbarkeit auf dem Schiff spielen dabei die Hauptrollen. Je neuer ein Kreuzfahrtschiff ist, desto höher ist in der Regel der Anteil an Balkonkabinen und Suiten.
Die Innenkabine: Der Rückzugsort für Sparfüchse
Innenkabinen sind die preisgünstigste Wahl an Bord. Sie befinden sich im Inneren des Schiffs und verfügen über kein Fenster nach außen. Diese Kabinen sind ideal für dich, wenn du eine günstige Option suchst und planst, die meiste Zeit an Deck, in den Bars oder bei Landausflügen zu verbringen. Wir empfehlen Innenkabinen vor allem für Routen, auf denen man ohnehin viel unterwegs ist, wie zum Beispiel bei Städtereisen im Mittelmeer. Ein kleiner Tipp von uns: Manche modernen Schiffe bieten heute „virtuelle Balkone“ – Bildschirme, die das Live-Bild von draußen übertragen, was das Raumgefühl deutlich verbessert.
Die Außenkabine: Tageslicht zum fairen Preis
Außenkabinen bieten dir ein Fenster oder ein Bullauge, durch das Tageslicht in die Kabine fällt. Das sorgt für ein wesentlich angenehmeres Raumgefühl als in einer Innenkabine. Oft liegen diese Kabinen jedoch im unteren Bereich des Schiffes. Du bist zwar deutlich über der Wasserlinie, aber die Aussicht kann manchmal eingeschränkt sein, etwa durch Rettungsboote oder die Bordwand. Dennoch ist es ein tolles Gefühl, morgens aufzuwachen und sofort zu sehen, ob das Wetter hält oder ob man bereits im Hafen angelegt hat.



Die Balkonkabine: Dein privates Reich auf See
Für uns ist die Balkonkabine (oft auch Verandakabine genannt) der Standard, den wir am liebsten buchen. Du hast hier einen privaten Außenbereich , auf dem du die frische Meeresluft und die Aussicht in völliger Privatsphäre genießen kannst. Es gibt kaum etwas Schöneres, als im Bademantel mit einem Kaffee auf dem eigenen Balkon zu sitzen, während das Schiff langsam in einen Hafen wie Venedig oder New York einläuft. Dieser Rückzugsort ist besonders an Seetagen Gold wert, wenn es am Pooldeck mal wieder etwas trubeliger zugeht.
Suiten und Spezialkabinen: Luxus pur
Suiten sind die Königsklasse an Bord. Sie bieten deutlich mehr Platz, separate Wohn- und Schlafbereiche und oft exklusive Vorteile wie den Zugang zu eigenen Lounge-Bereichen oder einen Butler-Service. Neben den klassischen Kategorien gibt es heute eine Vielzahl an Spezialkabinen:
- Barrierefreie Kabinen: Viele Schiffe bieten barrierefreie Kabinen mit spezieller Ausstattung für Gäste mit eingeschränkter Mobilität. Diese Kabinen befinden sich oft in der Nähe der Aufzüge und sind geräumiger.
- Familienkabinen: Wenn du mit Kindern reist, achte auf spezielle Familienkabinen oder Verbindungszimmer. Diese bieten mehr Platz und Flexibilität für Familien.
- Einzelkabinen: Einige Schiffe bieten (meist wenige) spezielle Kabinen für Alleinreisende an, die günstiger sind und dennoch alle Annehmlichkeiten bieten.
- Spa-Kabinen: Mit direktem Zugang zum Wellnessbereich
Wenn du dir etwas ganz Besonderes gönnen möchtest, ist eine Suite der richtige Weg, aber achte auch hier auf die Lage im Deckplan.
Die perfekte Lage: Wo schaukelt es am wenigsten?



Nachdem die Kategorie feststeht, geht es an die Feinplanung der Lage. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei unserer ersten Tour wurden wir dazu leider überhaupt nicht beraten, was wir bei ordentlichem Seegang bitter bereuen mussten.
Backbord oder Steuerbord?
Ob deine Kabine in Fahrtrichtung links (backbord) oder rechts (steuerbord) liegt, ist für das Fahrverhalten des Schiffs völlig egal. Es kann aber für die Aussicht wichtig sein. Wenn du eine Route fährst, die oft nah an der Küste verläuft (wie die norwegischen Fjorde), kann eine Seite bevorzugt sein. Schau dir den Routenverlauf vorher genau an. Wir persönlich finden, dass es oft keine Rolle spielt, da man im Hafen mal so und mal so anlegt – die „Sonnenseite“ wechselt ohnehin ständig.
Bug, Mitte oder Heck: Wo liegt man stabil?
Hier wird es technisch: Kabinen in der Mitte des Schiffs reagieren am wenigsten auf Seegang. Hier liegt der Drehpunkt des Schiffes, Bewegungen fallen hier deutlich weniger auf. Zudem sind die Wege zu den Aufzügen meist kurz, was bei den gigantischen Ausmaßen moderner Ozeanriesen ein echter Vorteil ist.
Kabinen im vorderen Bereich (Bug) sind am stärksten von den Auf- und Abbewegungen des Schiffes betroffen. Wenn das Schiff in die Wellen eintaucht, spürst du das hier zuerst. Wir raten daher bei Neigung zur Seekrankheit dringend von Kabinen ganz vorne ab. Zudem kann es hier bei Hafenmanövern durch die Bugstrahlruder lauter werden.
Kabinen im hinteren Bereich (Heck) bieten oft einen spektakulären Blick auf die Heckwelle – für viele Kreuzfahrer das Nonplusultra. Aber Achtung: Hier sind die Wege zu den zentralen Einrichtungen oft sehr weit. Zudem befinden sich hinten oft Außendecks von Bars oder Restaurants, was zu einer gewissen Geräuschkulisse bis spät in die Nacht führen kann.



Welches Deck ist das richtige?
Die Wahl des Decks ist oft eine Entscheidung zwischen Aussicht und Ruhe.
Die oberen Decks: Aussicht mit Nebenwirkungen
Auf den oberen Decks ist die Aussicht am spektakulärsten. Du bist nah am Pool, am Spa und an den Buffet-Restaurants. Der Nachteil: Die Hebelwirkung ist weiter oben stärker, man spürt Bewegungen also deutlicher. Ein echtes Problem kann die Lärmbelästigung sein. Wir haben einmal direkt unter dem Jogging-Parcours geschlafen – ab 6 Uhr morgens war an Schlaf nicht mehr zu denken. Prüfe also immer, was direkt über deiner Kabine liegt. Wenn dort das Pooldeck ist, wirst du morgens das Schieben der Liegen hören.
Die unteren Decks: Ruhe und Stabilität
Kabinen auf den unteren Decks sind oft die ruhigsten. Sie liegen näher am Schwerpunkt des Schiffes und schaukeln weniger. Sie sind zudem meist preisgünstiger. Achte jedoch darauf, dass du nicht zu weit unten landest, wo technische Geräusche der Maschinen oder Vibrationen spürbar sein könnten. Ein „Sandwich-Deck“ – also ein Deck, bei dem über und unter dir nur andere Kabinen und keine öffentlichen Bereiche liegen – ist meist die sicherste Wahl für einen erholsamen Schlaf.


Strategien für die Buchung: Die „Glückskabine“
Wenn dir eine bestimmte Kabinennummer nicht so wichtig ist wie der Preis, kannst du viel Geld sparen. Viele Reedereien bieten sogenannte „Vario-“ oder „Flex-Preise“ an. Du buchst eine Kategorie (z. B. Balkon) und die Reederei teilt dir erst kurz vor der Reise deine Kabinennummer mit.
Wir machen das oft so, weil wir flexibel sind. Aber Achtung: Man landet so natürlich oft in den Kabinen, die andere nicht aktiv wählen würden, etwa direkt über der Diskothek oder mit einer Sichtbehinderung durch Rettungsboote. Wenn du absolute Ruhe brauchst oder eine ganz bestimmte Lage bevorzugst, solltest du unbedingt den (teureren) Premium-Tarif mit freier Kabinenwahl buchen.
Unser Fazit: Lage ist Lebensqualität
Unterschätze die Kabinenwahl nicht. Ein gut gewählter Rückzugsort ist die Basis für eine entspannte Reise. Nimm dir die Zeit, den Deckplan deines Schiffes zu studieren. Schau dir an, wo die Aufzüge sind (praktisch, aber manchmal laut durch wartende Gäste) und was über deinem Kopf passiert. Wir hoffen, diese Tipps helfen dir dabei, dein perfektes Zuhause auf Zeit zu finden!


