Die Kreuzfahrt ist zurück auf Rekordkurs: 2025 starteten so viele Menschen wie noch nie von deutschen Häfen zu einer Hochseekreuzfahrt. Gleichzeitig zeigt die DRV-Statistik: Im deutschen Hochsee-Markt lag die Nordsee deutlich vor dem westlichen Mittelmeer. Die Branche erwartet auch 2026 weiteres Wachstum – doch einige europäische Häfen setzen dem Boom inzwischen Grenzen.

Neuer Höchstwert bei Hochseekreuzfahrten ab Deutschland
Das Statistische Bundesamt meldet für 2025 einen neuen Höchststand: Rund 1,51 Millionen Menschen starteten im vergangenen Jahr von einem deutschen Hafen an Nord- oder Ostsee zu einer Hochseekreuzfahrt. Das waren 4,1 Prozent mehr als 2024 mit gut 1,45 Millionen Reisenden und 13,5 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019 mit 1,33 Millionen Reisenden.
Wichtig ist die genaue Einordnung: Die Destatis-Zahl beschreibt nicht die Staatsangehörigkeit der Reisenden. Gezählt werden Passagierinnen und Passagiere, die ihre Hochseekreuzfahrt von einem deutschen Hafen aus begonnen haben. Flusskreuzfahrten, reguläre Fährdienste, Frachtschiffe mit wenigen Gästekabinen und reine Tagesausflugsschiffe sind in dieser Statistik nicht enthalten.
Auch der Deutsche Reiseverband blickt optimistisch auf das laufende Jahr. Gegenüber Reuters erklärte der DRV, der Nachfrageanstieg setze sich fort und man rechne für 2026 weiterhin mit wachsenden Passagierzahlen. Kreuzfahrten bleiben damit ein wichtiger Wachstumstreiber der deutschen Reisewirtschaft.


Nordsee vor westlichem Mittelmeer
Besonders auffällig ist die Verteilung der beliebtesten Hochsee-Fahrtgebiete im deutschen Markt. Laut DRV war die Nordsee 2025 mit einem Anteil von 37 Prozent das beliebteste Fahrtgebiet. Dahinter folgten das westliche Mittelmeer mit 20 Prozent und der Atlantik einschließlich Kanaren, Madeira, Kapverden, Azoren und Portugal mit 14 Prozent.
Damit lag die Nordsee klar vor dem westlichen Mittelmeer. Pauschal zu sagen, die Nordsee habe „das Mittelmeer“ insgesamt geschlagen, wäre jedoch ungenau: Das östliche Mittelmeer wird in der DRV-Statistik gesondert ausgewiesen und kam auf rund fünf Prozent. Die starke Rolle der Nordsee hilft auch, die hohen Zahlen ab deutschen Häfen einzuordnen. Wer ab Hamburg, Kiel, Bremerhaven, Rostock oder Warnemünde startet, erscheint in der deutschen Hafenstatistik. Wer dagegen etwa in Palma, Barcelona oder Civitavecchia an Bord geht, wird in der Destatis-Zahl zu Abfahrten ab deutschen Häfen nicht erfasst.

Warum die Nachfrage weiter hoch ist
Kreuzfahrtexperte Prof. Dr. Alexis Papathanassis, Rektor der Hochschule Bremerhaven, sieht einen wesentlichen Grund im gebündelten Leistungsmodell der Branche. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte er: „Transport, Unterkunft, Gastronomie und Freizeitangebote werden in einem Produkt gebündelt.“ Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis sei attraktiv.
Das macht Kreuzfahrten für viele Reisende planbar: Route, Unterkunft, Verpflegung und Freizeitangebote werden in einem Paket kombiniert. Gerade in Zeiten steigender Reisekosten kann diese Kalkulierbarkeit ein Vorteil sein. Trotzdem lohnt der genaue Vergleich, denn Preise, Zusatzkosten und Leistungen unterscheiden sich je nach Reederei, Route und Saison deutlich.


Deutschland im EU-Vergleich auf Platz drei
Auch EU-weit wächst der Kreuzfahrtmarkt. Für 2024 meldet Eurostat laut Destatis 8,73 Millionen Hochseekreuzfahrt-Starts in der EU. Das waren 12,2 Prozent mehr als 2023 und 18,1 Prozent mehr als 2019.Bei den Ausgangsländern lag Italien mit 28,4 Prozent vorn, gefolgt von Spanien mit 22,3 Prozent. Deutschland kam mit 16,6 Prozent auf Platz drei. Dahinter folgten Frankreich mit 13,6 Prozent und Griechenland mit 8,3 Prozent.
Auch hier gilt: Gemeint sind Starts in Häfen der jeweiligen Länder, nicht die Staatsangehörigkeit der Passagiere. Korrekt ist also: Rund jeder sechste Hochseekreuzfahrt-Start in der EU entfiel 2024 auf Deutschland als Ausgangsland.
Die Gesamtzahl deutscher Kreuzfahrtgäste liegt höher
Die Destatis-Zahl bildet nur Hochseekreuzfahrten ab, die an deutschen Häfen beginnen. Der gesamte deutsche Kreuzfahrtmarkt ist größer, weil viele Reisende aus Deutschland per Flugzeug zu internationalen Abfahrtshäfen reisen.Laut DRV erreichten Hochsee- und Flusskreuzfahrten 2025 zusammen ein Volumen von 4,2 Millionen Passagieren im deutschen Markt. Die Reiseausgaben für Hochsee- und Flusskreuzfahrten lagen bei rund 6,7 Milliarden Euro, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Deshalb muss sauber unterschieden werden: 1,51 Millionen beschreibt die Hochseekreuzfahrt-Starts ab deutschen Häfen. Der deutsche Kreuzfahrtmarkt insgesamt ist deutlich größer, umfasst aber je nach Statistik andere Definitionen, etwa Hochsee- und Flusskreuzfahrten zusammen.


Häfen reagieren auf den Kreuzfahrtboom
Während die Nachfrage steigt, begrenzen mehrere europäische Hafenstädte ihre Kreuzfahrtkapazitäten oder bauen ihre Infrastruktur um. Das zeigt: Der Boom stößt nicht nur auf wirtschaftliches Interesse, sondern auch auf politische und städtische Grenzen.
- Barcelona will die Zahl der Kreuzfahrtterminals am Adossat-Kai von sieben auf fünf reduzieren. Drei ältere Terminals sollen abgerissen und durch ein neues ersetzt werden. Gleichzeitig sollen Mobilität und Verkehrsführung im Hafen verbessert werden.
- Palma de Mallorca reduziert von 2027 bis 2029 in den Sommermonaten Juni bis September die durchschnittliche tägliche Bettenkapazität für Kreuzfahrtschiffe von 8.500 auf 7.500. Die Grenze von maximal drei Kreuzfahrtschiffen pro Tag bleibt bestehen; nur eines davon darf mehr als 5.000 Passagierkapazität haben.
- Amsterdam arbeitet weiter an dem Ziel, Seeschiff-Kreuzfahrten am Standort Veemkade bis 2035 zu beenden. Die Stadt verweist dabei unter anderem auf Stadtverträglichkeit, Emissionen und die langfristige Entwicklung des Hafenareals.
Hantavirus-Fall bleibt ein Sonderthema
Parallel zur Wachstumsdebatte sorgte ein Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius international für Aufmerksamkeit. Das europäische Seuchenschutzzentrum ECDC meldete am 19. Mai 2026 ein Ausbruchsgeschehen mit dem Andes-Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff. Laut ECDC waren Passagiere und Crew aus mehreren Ländern betroffen.
Für die allgemeine Kreuzfahrtentwicklung ist dieser Fall jedoch nicht der zentrale Treiber. Der DRV rechnet trotz der öffentlichen Aufmerksamkeit rund um den Ausbruch weiter mit steigenden Passagierzahlen. Für Reisende bleibt entscheidend, aktuelle Hinweise von Behörden, Reedereien und Gesundheitsstellen zu beachten.

Was bedeutet das für Kreuzfahrer?
- Abfahrten ab deutschen Häfen bleiben stark nachgefragt.
Die Rekordzahl zeigt: Deutsche Abfahrtshäfen wie Hamburg, Kiel, Bremerhaven, Rostock und Warnemünde bleiben wichtige Startpunkte für Hochseekreuzfahrten. Wer auf bestimmte Ferienzeiten, Kabinenkategorien oder Routen festgelegt ist, sollte früh vergleichen. - Nordeuropa bleibt besonders wichtig.
Die DRV-Zahlen zeigen eine klare Stärke der Nordsee im deutschen Hochsee-Markt. Für Routen Richtung Norwegen, Großbritannien, Nordkap oder Island dürfte die Nachfrage hoch bleiben. - Mittelmeer-Häfen werden stärker reguliert.
Barcelona und Palma zeigen, dass stark belastete Häfen Wachstum nicht unbegrenzt mittragen wollen. Für Reisende kann das künftig andere Liegezeiten, geänderte Routen, stärkere Besucherlenkung oder zusätzliche Gebühren bedeuten. - Alternative Häfen könnten wichtiger werden.
Wenn klassische Hotspots Kapazitäten begrenzen, können andere Häfen für Reedereien attraktiver werden. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jede Route günstiger oder entspannter wird. Entscheidend bleiben Saison, Schiff, Hafenlage und Ausflugskonzept.

Fakten
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Hochseekreuzfahrt-Reisende ab deutschen Häfen 2025 | 1,51 Mio. |
| Veränderung gegenüber 2024 | +4,1 % |
| Veränderung gegenüber 2019 | +13,5 % |
| Beliebtestes Hochsee-Fahrtgebiet im deutschen Markt 2025 | Nordsee, 37 % |
| Platz 2 | Westliches Mittelmeer, 20 % |
| Platz 3 | Atlantik inkl. Kanaren, Madeira, Kapverden, Azoren und Portugal, 14 % |
| Hochseekreuzfahrt-Starts in der EU 2024 | 8,73 Mio. |
| Deutschlands Anteil als EU-Ausgangsland | 16,6 %, Platz 3 |
| Hochsee- und Flusskreuzfahrten im deutschen Markt 2025 | 4,2 Mio. Passagiere |
| Ausgaben für Hochsee- und Flusskreuzfahrten im deutschen Markt 2025 | 6,7 Mrd. Euro |

Ausblick
Die Kreuzfahrtbranche bleibt auf Wachstumskurs. Die Rekordzahl von 1,51 Millionen Hochseekreuzfahrt-Starts ab deutschen Häfen zeigt, dass die Nachfrage in Deutschland hoch ist. Gleichzeitig machen Barcelona, Palma und Amsterdam deutlich, dass Wachstum in Europa zunehmend reguliert wird. Für 2026 erwartet der DRV weiter steigende Passagierzahlen. Ob daraus erneut ein Rekordjahr wird, hängt nicht nur von der Nachfrage ab, sondern auch von Kapazitäten, Routenplanung, Hafenregeln, Preisen und geopolitischen Rahmenbedingungen.
Für Reisende heißt das: Früh vergleichen, Routen genau prüfen und nicht nur auf den Reisepreis achten. Entscheidend sind künftig auch Hafenlage, Liegezeiten, Zusatzkosten und die Frage, wie stark einzelne Ziele bereits reguliert oder überlastet sind.
Quellen
- Statistisches Bundesamt / Destatis: Hochseekreuzfahrten ab deutschen Häfen 2025.
- Deutscher Reiseverband: Reisevolumen 2025 und Fahrtgebiete im Hochsee-Markt.
- Handelsblatt / Reuters: DRV-Prognose für 2026 und Kreuzfahrtumsatz.
- Port de Barcelona: Reduktion der Kreuzfahrtterminals.
- Travel Weekly: Palma-Regelung für 2027 bis 2029.
- Stadt Amsterdam: Planung zu Seeschiff-Kreuzfahrten am Standort Veemkade.
- ECDC: Andes-Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius.



