Kreuzfahrtschiffe Hafen St. Maarten

MSC: Was die Meyer-Werft-Offensive für AIDA und Mein Schiff bedeutet

MSC Cruises verstärkt seine Präsenz im deutschsprachigen Kreuzfahrtmarkt: drei Schiffe ab deutschen Häfen im Sommer 2026, ein DACH-Chef mit AIDA- und A-ROSA-Erfahrung, der Ausbau des MSC Yacht Club auf der MSC Magnifica und eine weitreichende Vereinbarung mit der Meyer Werft über bis zu sechs Neubauten der neuen „New Frontier“-Klasse. Für AIDA und TUI Cruises bedeutet das keinen kurzfristigen Machtwechsel, aber ein klares Signal: Der Wettbewerb um deutsche Kreuzfahrtgäste wird intensiver.

Robert und Margit
Robert & Margit
Kreuzfahrtschiffe Hafen St. Maarten

Der Kreuzfahrtmarkt wächst

Der deutsche Kreuzfahrtmarkt hat 2025 weiter zugelegt. Laut Deutschem Reiseverband und YouGov erreichten Hochsee- und Flusskreuzfahrten zusammen rund 4,2 Millionen Reisen. Davon entfielen mehr als 3,3 Millionen Reisen auf Hochseekreuzfahrten und rund 860.000 auf Flusskreuzfahrten. Auch beim Umsatz wurde ein neuer Höchstwert erreicht. Hochsee- und Flusskreuzfahrten kamen zusammen auf rund 6,7 Milliarden Euro. Der Hochseekreuzfahrten- markt erzielte dabei rund 5,6 Milliarden Euro Umsatz, die Flusskreuzfahrt gut 1,15 Milliarden Euro.

Daneben gibt es die internationalen Zahlen des Kreuzfahrtverbands CLIA. Nach CLIA-Angaben erreichte die weltweite Hochseekreuzfahrt 2025 rund 37,2 Millionen Passagiere. Auf Deutschland entfielen demnach rund 2,8 Millionen Hochseekreuzfahrtgäste. Deutschland blieb damit nach den USA der zweitgrößte Kreuzfahrt-Quellmarkt weltweit.

Wichtig ist die Unterscheidung: DRV und YouGov betrachten den deutschen Kreuzfahrtmarkt inklusive Hochsee- und Flussreisen. CLIA betrachtet den internationalen Hochseekreuzfahrtmarkt und ordnet Deutschland als Quellmarkt ein.

MSC stellt sich in der DACH-Region stärker auf

MSC Cruises hat seine Führungsstruktur für Deutschland, Österreich und die Schweiz neu aufgestellt. Im Oktober 2024 kündigte MSC an, dass Jörg Eichler im ersten Halbjahr 2025 zur Kreuzfahrtsparte der MSC Group wechseln und Geschäftsführer für die DACH-Region werden soll. Zugleich übernahm er die Verantwortung für MSC Cruises und Explora Journeys in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eichler bringt für diese Rolle viel Branchenerfahrung mit. Vor seinem Wechsel zu MSC war er CEO des Flussreiseanbieters A-ROSA. Davor war er unter anderem bei AIDA Cruises tätig und verantwortete dort ab 2008 Marketing und Vertrieb.

Für MSC ist diese Personalie strategisch relevant. Eichler kennt den deutschsprachigen Reisemarkt, das Hochseeprodukt, den Flussreisemarkt und die Strukturen der deutschen Kreuzfahrtanbieter. Damit stärkt MSC genau den Bereich, in dem AIDA Cruises und TUI Cruises traditionell besonders stark sind: den direkten Zugang zu deutschsprachigen Gästen.

Drei MSC-Schiffe ab Deutschland im Sommer 2026

Im Sommer 2026 setzt MSC Cruises drei Schiffe ab deutschen Häfen ein:

  • MSC Euribia ab Kiel
  • MSC Magnifica ab Warnemünde
  • MSC Preziosa ab Hamburg

Die MSC Euribia fährt ab Kiel zu Nordeuropa- und Fjordrouten. Die MSC Magnifica startet ab Warnemünde zu Reisen in Nord- und Osteuropa. Die MSC Preziosa wird ab Hamburg eingesetzt.

Damit bündelt MSC einen wichtigen Teil seines Nordeuropa-Programms in deutschen Häfen. Für Gäste ist das vor allem deshalb relevant, weil Kreuzfahrten ohne Flug weiter an Bedeutung gewinnen. Abfahrten ab Kiel, Warnemünde und Hamburg bieten eine direkte Alternative zu AIDA und Mein Schiff.

MSC Magnifica: Yacht Club kommt ab Warnemünde

Ein weiterer Baustein ist die Modernisierung der MSC Magnifica. MSC Cruises bringt ab Sommer 2026 den MSC Yacht Club auf das Schiff. Dazu gehören neue Suiten, eine private Lounge, ein eigenes Restaurant und ein privates Sonnendeck mit Pool. Nach Angaben von MSC wird der Yacht Club auf der MSC Magnifica erstmals auch auf Routen ab Warnemünde verfügbar sein. Damit bringt MSC sein höherpreisiges „Schiff-im-Schiff“-Konzept stärker in den deutschen Abfahrtsmarkt. Das ist nicht nur ein Ausstattungsdetail. Es zeigt, dass MSC ab Deutschland nicht allein über günstige Einstiegspreise wachsen will, sondern auch höherwertige Produktsegmente sichtbarer macht.

Der große Schritt: MSC und Meyer-Werft vereinbaren neue Schiffsklasse

Der wichtigste langfristige Schritt ist die Vereinbarung zwischen MSC Cruises und der Meyer Werft in Papenburg. Am 15. Dezember 2025 gaben MSC Cruises und die Meyer Werft eine Absichtserklärung für vier Kreuzfahrtschiffe der nächsten Generation und zwei weitere Optionen bekannt. Die neue Schiffsklasse trägt den Projektnamen „New Frontier“. Nach Angaben der Meyer Werft sollen die Schiffe eine Bruttoraumzahl von rund 180.000 haben und maximal 5.400 Passagiere aufnehmen. Die Ablieferung soll ab 2030 jährlich erfolgen.

Die Vereinbarung ist für beide Seiten bedeutend. Für MSC ist es ein großes Neubauprogramm bei einer deutschen Werft. Für die Meyer Werft sichert der Auftrag die Auslastung bis weit in das nächste Jahrzehnt. Die Werft war zuvor finanziell unter Druck geraten und wurde 2024 durch Bund und Land Niedersachsen stabilisiert. Bund und Land übernahmen gemeinsam rund 80 Prozent der Anteile und investierten 400 Millionen Euro.

Was bedeutet „New Frontier“ für MSC?

Die bekannten Eckdaten zeigen: Die neue Klasse wird groß, aber nach aktuellem Stand nicht auf maximale Passagierzahl pro Bruttoraumzahl ausgelegt. Mit rund 180.000 BRZ und maximal 5.400 Passagieren liegt die geplante Kapazität unter dem, was bei manchen anderen sehr großen Kreuzfahrtschiffen möglich wäre. Daraus lässt sich vorsichtig ableiten: MSC plant mit der „New Frontier“-Klasse offenbar ein anderes Raum- und Produktkonzept als bei reinen Kapazitätsrekorden. Ob die Schiffe tatsächlich spürbar mehr Komfort, neue öffentliche Bereiche oder ein höherwertiges Bordprodukt bieten werden, lässt sich erst beurteilen, wenn MSC konkrete Details zu Kabinen, Restaurants, Freizeitangeboten und Routen veröffentlicht. Sicher ist aber: Die Schiffe sollen ab 2030 kommen. Der eigentliche Wettbewerb mit der nächsten Schiffsgeneration beginnt also nicht sofort, sondern erst gegen Ende des Jahrzehnts.

AIDA reagiert mit Neubauten und Modernisierung

AIDA Cruises bleibt ebenfalls nicht stehen. Im April 2025 kündigte AIDA zwei Neubauten einer neuen Generation an. Die baugleichen Schiffe werden bei Fincantieri in Italien gebaut. Die Indienststellung ist für Frühjahr 2030 und Winter 2031/2032 geplant. Nach AIDA-Angaben sollen die Neubauten jeweils rund 2.100 Gästekabinen erhalten. Außerdem sollen sie mit Multi-Fuel-Antrieben ausgestattet werden, die für aktuelle und künftige Treibstoffoptionen vorbereitet sind. Mit den beiden Neubauten soll die AIDA-Flotte auf 13 Schiffe wachsen.

Parallel läuft das Modernisierungsprogramm AIDA Evolution. Bis 2028 will AIDA sieben Schiffe der AIDAselection-Familie modernisieren. AIDAdiva, AIDAluna und AIDAbella wurden beziehungsweise werden dabei bereits umfassend erneuert. AIDAmar soll pünktlich zu Weihnachten 2026 in modernisierter Form zurückkehren, AIDAblu folgt im März 2027. AIDA setzt damit auf zwei Ebenen an: neue Schiffe ab 2030 und eine Auffrischung der bestehenden Flotte schon vorher. Für deutsche Gäste dürfte die Modernisierung der vorhandenen Schiffe kurzfristig sogar stärker spürbar sein als die Neubauten am Ende des Jahrzehnts.

TUI Cruises baut die Mein-Schiff-Flotte weiter aus

Auch TUI Cruises wächst weiter. Nach Mein Schiff 7 und Mein Schiff Relax folgt mit Mein Schiff Flow ein weiterer Neubau. Mein Schiff Flow soll 2026 zur Flotte stoßen und gehört wie Mein Schiff Relax zur neuen InTUItion-Klasse. Zusätzlich übertrug die TUI AG im September 2025 zwei Neubau-Slots, die ursprünglich für Marella Cruises vorgesehen waren, an TUI Cruises. Die Schiffe werden bei Fincantieri in Italien gebaut und sollen in den TUI-Geschäftsjahren 2031 und 2033 ausgeliefert werden.

Auch die finanzielle Einschätzung von TUI Cruises entwickelte sich positiv. S&P Global Ratings änderte im April 2026 den Ausblick für TUI Cruises von stabil auf positiv und bestätigte zugleich das langfristige Emittentenrating. Das ist keine Rating-Hochstufung, aber ein verbessertes Signal zur erwarteten Entwicklung. Damit ist klar: AIDA, TUI Cruises und MSC investieren alle in ihre Flotten. Der Wettbewerb verschärft sich nicht, weil nur MSC wächst. Er verschärft sich, weil alle drei Anbieter ihre Produktlinien weiterentwickeln.

Was bedeutet das für AIDA und Mein Schiff?

AIDA Cruises und TUI Cruises bleiben im deutschsprachigen Markt die prägenden Marken. AIDA steht für ein stark deutschsprachiges, lockeres Kreuzfahrtprodukt mit Club- und Familiencharakter. Mein Schiff positioniert sich stärker im deutschsprachigen Premium-All-Inclusive-Segment. MSC ist internationaler, mehrsprachiger und stärker global ausgerichtet.

Genau darin liegt der Unterschied. MSC greift AIDA und Mein Schiff nicht an, indem es deren Produkt eins zu eins kopiert. MSC bietet ein anderes Bordgefühl: internationaler, mehrsprachiger, stärker auf ein globales Publikum ausgerichtet. Für manche Gäste ist das ein Vorteil. Für andere ist es ein Ausschlusskriterium.

Für AIDA und TUI Cruises entsteht trotzdem Druck. MSC wird sichtbarer, stärkt den Vertrieb in der DACH-Region, setzt mehr Schiffe ab deutschen Häfen ein und investiert langfristig in neue Kapazitäten. Das zwingt die deutschen Platzhirsche, ihre eigenen Stärken klarer herauszustellen: Sprache, Servicekonzept, Preisstruktur, Familienangebote, Gastronomie und Markenbindung.

Fakten

ThemaStand
Deutscher Kreuzfahrtmarkt 2025rund 4,2 Mio. Hochsee- und Flussreisen laut DRV/YouGov
Umsatz Kreuzfahrten Deutschland 2025rund 6,7 Mrd. Euro laut DRV/YouGov
Deutsche Hochseekreuzfahrtgäste laut CLIArund 2,8 Mio. im Jahr 2025
MSC-Schiffe ab Deutschland Sommer 2026MSC Euribia ab Kiel, MSC Magnifica ab Warnemünde, MSC Preziosa ab Hamburg
MSC Magnificaab Sommer 2026 mit MSC Yacht Club auf Routen ab Warnemünde
MSC/Meyer WerftAbsichtserklärung für vier Schiffe plus zwei Optionen
Neue MSC-Klasse„New Frontier“
Geplante Größerund 180.000 BRZ
Geplante Kapazitätmaximal 5.400 Passagiere
AIDA-Neubautenzwei Schiffe bei Fincantieri, geplant für 2030 und Winter 2031/2032
TUI Cruiseszusätzliche Neubau-Slots bei Fincantieri für Geschäftsjahre 2031 und 2033

Was bedeutet das für Kreuzfahrtgäste?

Für Gäste ist mehr Wettbewerb grundsätzlich positiv. Drei Entwicklungen sind besonders wichtig.

Erstens wächst die Auswahl ab deutschen Häfen. Wer ohne Flug reisen möchte, findet mit MSC ab Kiel, Warnemünde und Hamburg zusätzliche Alternativen zu AIDA und Mein Schiff.

Zweitens werden die Produktunterschiede wichtiger. Der günstigste Preis ist nicht automatisch das beste Angebot. Entscheidend ist, welches Bordkonzept zum eigenen Reiseverhalten passt. Wer deutsche Bordsprache, deutschsprachige Unterhaltung und ein klar auf den deutschen Markt ausgerichtetes Produkt sucht, ist bei AIDA oder Mein Schiff oft näher an den eigenen Erwartungen. Wer ein internationaleres Publikum und ein mehrsprachiges Bordleben sucht, kann MSC als passende Alternative sehen.

Drittens kann stärkerer Wettbewerb zu attraktiveren Angeboten führen. Frühbucheraktionen, Bordguthaben, Getränkepakete, Familienangebote und Tarifmodelle dürften im Wettbewerb eine wichtige Rolle spielen. Garantieren lässt sich ein allgemeiner Preisrückgang aber nicht. Neue Schiffe, höhere Umweltauflagen, Personal- und Energiekosten wirken gleichzeitig preistreibend.

Der eigentliche Wettbewerb beginnt ab 2030

Kurzfristig wird MSC den deutschen Markt nicht umkrempeln. Dafür sind AIDA und Mein Schiff zu stark positioniert, und dafür unterscheiden sich die Produkte zu deutlich. Langfristig ist die Entwicklung aber relevant. Ab 2030 treffen mehrere neue Schiffsgenerationen aufeinander: AIDA bringt neue Fincantieri-Schiffe, TUI Cruises erhält weitere Neubauten, und MSC startet mit der „New Frontier“-Klasse von Meyer Werft. Dann wird sichtbar, welche Strategie am besten funktioniert: das deutschsprachige Club- und Familienprodukt von AIDA, das Premium-All-Inclusive-Konzept von Mein Schiff oder das internationale MSC-Modell mit wachsender Präsenz ab Deutschland.

Fazit

MSC Cruises baut seine Position im deutschsprachigen Kreuzfahrtmarkt deutlich aus. Drei Schiffe ab deutschen Häfen im Sommer 2026, ein erfahrener DACH-Chef, der Ausbau des MSC Yacht Club auf der MSC Magnifica und die Vereinbarung mit der Meyer Werft zeigen: MSC will im deutschen Markt langfristig stärker mitspielen. Für AIDA und TUI Cruises ist das kein unmittelbarer Angriff, der die Marktverhältnisse über Nacht verändert. Es ist aber ein klares Langfristsignal. MSC wird sichtbarer, professioneller und industriell stärker mit Deutschland verbunden.

Für Kreuzfahrtgäste bedeutet das vor allem: mehr Auswahl, mehr Vergleichsmöglichkeiten und mehr Verantwortung bei der Buchung. AIDA, Mein Schiff und MSC sind keine austauschbaren Produkte. Wer genauer hinschaut, bucht besser.

  • Deutscher Reiseverband / YouGov: Zahlen zum deutschen Kreuzfahrtmarkt 2025
  • WELT / dpa: CLIA-Zahlen zur weltweiten Hochseekreuzfahrt 2025 und Deutschland als Quellmarkt
  • MSC Cruises Pressebereich: Jörg Eichler wird Geschäftsführer für die DACH-Region
  • Crucero Magazin: MSC Cruises schickt im Sommer 2026 drei Schiffe ab Deutschland
  • Meyer Werft: MSC Cruises und Meyer Werft unterzeichnen Absichtserklärung
  • AIDA Cruises: Zwei Neubauten einer neuen Generation bei Fincantieri
  • TUI Group: Zwei Neubau-Slots werden an TUI Cruises übertragen
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Margit & Robert

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V.i.S.d.P. Robert Hartl · zuletzt aktualisiert 26.05.2026 · © alle Rechte vorbehalten.

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