Bremerhaven, 25. Oktober 2026: Die Mein Schiff 3 von TUI Cruises ist am Sonntag gegen 17 Uhr beim Auslaufen aus Bremerhaven bei starkem Wind trotz Schlepper-Unterstützung mit einem Containerschiff zusammengestoßen. Dabei wurden auf der Mein Schiff 3 mehrere Rettungsboote und Aufbauten beschädigt. Nach bisherigen Angaben gibt es keine Verletzten. Das Kreuzfahrtschiff liegt inzwischen wieder an der Columbuskaje.

Das Kurzvideo von CruiseOfficerAlex auf YouTube (Ausschnitt oben) zeigt das knifflige Manöver.
Was ist in Bremerhaven passiert?
Die Mein Schiff 3 hatte mit Schlepper-Unterstützung die Columbuskaje verlassen. Wind und Wellen drückten die Mein Schiff 3 seitlich Richtung Ufer. Im Bereich des Containerterminals kam es auf der Weser zur Kollision mit dem Containerschiff MSC Victorine. Dabei wurden mindestens zwei Rettungsboote des Kreuzfahrtschiffes schwer beschädigt. Am Frachter soll ein rund zehn Meter langer Riss in der Bordwand entstanden sein. Der vollständige Schadensumfang ist noch nicht bestätigt.
Die Mein Schiff 3 setzte sich mit den Querstrahlmotoren in Heck und Bug vom Ufer ab. Bestellte Schlepper-Unterstützung führt die Mein Schiff 3 auf der Weser Richtung Fahrrinne, während die MS 3 langsam Fahrt nach vorne aufnimmt.
Dann scheint es so, dass Schiff und Schlepper gegen stärkere Windböen nicht ankommen und das Heck der Mein Schiff 3 nach wenigen 100 Metern auf Höhe des Containerterminals nahe Ufer gedrückt wird, wo man dem kleinen Frachter MSC Anne F am Ufer gefährlich nahe kommt. Aktuellen Erkenntnissen nach kann hier eine Kollision gerade noch vermieden werden, doch im vorderen Bereich der Backbord-Seite streift die Mein Schiff 3 kurz darauf das Heck des deutlich größeren Containerschiffs MSC Victorine, das ebenfalls am Ufer festgemacht hat. Bei diesem werden auf den Bildern Beschädigungen wie ein ca. 10 Meter langer Riss in der Bordwand sichtbar. Auf der Mein Schiff 3 werden laut den Aufnahmen mindestens einige Rettungsboote samt Aufhängung zerstört.
Danach kehrte die Mein Schiff 3 zur Anlegestelle am Columbiskaje zurück. Der Schaden dürfte beträchtlich sein.

Stürmisches Wetter beim Auslaufen
Zum Unfallzeitpunkt herrschten an der Nordseeküste schwierige Wetterbedingungen. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor schweren Sturmböen. Winddaten für den Bereich Cuxhaven zeigten gegen 17 Uhr rund 20 Knoten (37 km/h) aus Südwest. In der offenen Nordsee wurden auf Wetterkarten stellenweise signifikante Wellenhöhen von über sechs Metern dargestellt.
Auf der offiziellen Webseite der Mein Schiff 3 werden zeitverzögert ebenfalls Wetterdaten angezeigt. Aktuell steht dort eine Windgeschwindigkeit von 118 km/h.

Auch auf der offiziellen Webcam-Aufnahme der Mein Schiff 3 im Zeitraffer kann man das Auslaufen und erneute Anlegen in Standbildern verfolgen.
Was passiert mit der geplanten Kanaren-Kreuzfahrt?
Die Mein Schiff 3 sollte am 25. Oktober zu ihrer 20-tägigen Reise „Zeitlose Kanaren“ aufbrechen. Geplant waren unter anderem Anläufe in Portugal, auf Madeira und den Kanarischen Inseln. Die Rückkehr nach Bremerhaven war für den 14. November 2026 vorgesehen. Man hatte sich auf ordentlich Wind und Wellen offensichtlich eingestellt und nach Abwägung der Umstände die Reise unter Anforderung der nahe gelegenen Schlepper begonnen.
Ob und wann die Kreuzfahrt fortgesetzt werden kann, steht derzeit nicht fest. Eine vollständige Absage der Reise ist bislang nicht offiziell bestätigt.
Immerhin ist es keine Kurzreise mit vielen Metropolen, sondern eine längere Reise mit mehreren Seetagen. Eine kleine Verzögerung dürfte hier nicht so stark ins Gewicht fallen. Im Nachhinein stellt sich natürlich die Frage, wieso man gerade auch deswegen die sich verbessernden Wetterbedingungen nicht abgewartet hat.
Warum sind die beschädigten Rettungsboote problematisch?
Rettungsboote gehören zur vorgeschriebenen Sicherheitsausrüstung eines Kreuzfahrtschiffes. Vor einer Weiterfahrt muss sichergestellt sein, dass die erforderliche Rettungskapazität und die übrigen Sicherheitsanforderungen erfüllt werden. Beschädigte Rettungsboote mit Aufbauten könnten deshalb Reparaturen oder einen Austausch notwendig machen.
Da die Mein Schiff 3 mehr Rettungsmittel wie vorgeschrieben an Bord hat, muss der Ausfall der beschädigten Rettungsbote nicht zwingend das Ende der Reise bedeuten.
Aktueller Stand: Die Mein Schiff 3 liegt zur Schadensbegutachtung in Bremerhaven. Weitere Entscheidungen zum Reiseverlauf stehen aus. Betroffene Gäste sollten die Mitteilungen von TUI Cruises beachten.
Stand: 25. Oktober 2026, 22:35 Uhr.
Update Montag, 26.10.2026, 6:05 Uhr
Das aktuelle Schiffsradar (26.10.2026, 6:05 Uhr) zeigt, dass die beteiligten Mein Schiff 3 sowie MSC Victorine wieder bzw. weiter an der Pier liegen. Auch die wohl unbeschädigte MSC Anne F liegt weiter am Ufer.

Laut TUI Cruises waren zum Unfallzeitpunkt 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder an Bord. Verletzte gebe es nicht. Alle könnten vorerst an Bord bleiben. Fachleute seien vor Ort und untersuchten die Lage. „Weitere Informationen werden wir bereitstellen, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen“, so die Sprecherin.
Die genaue Unfallursache und das Ausmaß der Schäden waren zunächst noch unklar. Die Wasserschutzpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen und war am späten Abend vor Ort. Weitere Informationen zum Unfallhergang werden für Montag im Laufe des Tages erwartet.
Quellen und weiterführende Links
- Radio Bremen: Bericht zur Kollision und den Wetterbedingungen vom 25.10.2026.
https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/bremerhaven-kreuzfahrt-schiff-kollision-100.html - Deutsche Presse-Agentur: Bestätigung des Unfalls durch Polizei und TUI Cruises, keine bekannten Personenschäden.
https://www.nw.de/nachrichten/nachrichten/24448367_Kreuzfahrtschiff-Mein-Schiff-3-stoesst-in-Bremerhaven-mit-Containerschiff-zusammen.html - CRUCERO (deutsches Kreuzfahrt-Fachmedium): Stellungnahme von TUI Cruises und Einordnung der möglichen Auswirkungen auf die Reise.
https://www.crucero-magazin.de/mein-schiff-3-kollision-bremerhaven/115169/
Erinnerungen an Wind, AIDA und Le Havre
Am 8. September 2026 rissen überraschend starke Sturmböen das Kreuzfahrtschiff AIDAperla im Hafen von Le Havre von ihren Festmachertauen los. Die Mein Schiff 3 hatte zu den Seilen die Motoren als Unterstützung und konnte die Position an der Pier halten.



